Nordistik
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Schweden: Umeå

Die Wahl für meinen Austausch zu treffen war nicht einfach, aber viele Bekannte haben mir unabhängig voneinander Umeå Universitet empfohlen. Umeå 2014 europäische Kulturhauptstadt und diese Kombination war ausreichend um meine Neugier zu wecken. Die Anmeldung an der Gastuniversität verlief reibungslos und die mitgesendeten Anleitungen waren einfach und gut verständlich. Sprachtechnisch musste ich mich nicht großartig auf den Austausch vorbereiten, da ich an der Universität in München schon zwei Jahre lang Schwedisch gelernt hatte, aber selbst ohne Schwedischkenntnisse kommt man in Umeå wunderbar zurecht.

Die Universität ist sehr stark auf Austauschstudenten eingestellt und viele Kurse werden in Englisch angeboten. Sehr positiv ist, dass die Kurse schon für das nächste Jahr online verfügbar sind, so dass man nicht erst (wie in Deutschland) warten muss, bis das Vorlesungsverzeichnis online ist. Ich habe mich für weitere Schwedischkurse angemeldet, um ein höheres Niveau zu erreichen und um später eventuell auch mal in Schweden auf schwedisch studieren zu können.

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Ålidhem im Winter

Die Unterkunft wird durch die Universität vermittelt, wenn dies in der Anmeldung gewünscht wird. Man bezahlt die Miete für die ersten drei Monate im Voraus und nach Eingang der Miete bekommt man einen Code per Mail zugeschickt. Mithilfe dieses Codes kann man sich online alle verfügbaren Zimmer anschauen (Grundriss und Adresse) und sich entweder nach Lage, Preis oder Größe ein Zimmer aussuchen. Im Zimmer sind vorhanden: ein Bett mit Matratze, ein Schreibtisch mit Stuhl, ein Sessel, ein kleiner Nachttisch, ein Regal und ein Kleiderschrank. Zu beachten ist, dass manche Zimmer eine eingebaute Miniküche haben, andere eine Gemeinschaftsküche nutzen. Ich würde jederzeit die Gemeinschaftsküche empfehlen, da man ansonsten seine Korridormitbewohner überhaupt nicht kennen lernt. Die Küchen sind gewöhnlich mit allem ausgestattet, man muss also nicht sein eigenes Kochgeschirr mitbringen.

Die wohl größte Wohngegend für Studenten ist Ålidhem. Hier gibt es viele Studentenparties, Grillmöglichkeiten und jede Menge Spaß ist garantiert. In der Nähe ist Ålidhem Centrum, dort gibt es drei Supermärkte (ICA, coop und Lidl), Pizza und Sushi, einen Frisör, eine Bäckerei, eine Poststelle usw. Zur Universität sind es von dort ca. 10 Minuten mit dem Fahr-rad und zum Stadtzentrum ungefähr 15-20 Minuten.

Das Studieren in Schweden unterscheidet sich stark von dem deutschen System. Hier hat man nicht mehrere Kurse gleichzeitig sondern einen Kurs nach dem anderen. Das erleichtert vor allem die Prüfungssituation, da man immer nur auf eine Klausur lernen muss. Pro Semester studiert man gewöhnlich für 30 högskolepoäng (ECTS) und diese teilen sich auf in: ein Kurs für 30hp, zwei Kurse für 15hp oder vier Kurse für 7,5hp. Die Kurse werden ins Learning Agreement eingetragen und entweder bestätigt oder wegen mangelnder Vorkennt-nisse abgelehnt. Neue Kurse zu wählen ist aber kein Problem, die Austausch-Beauftragte Monika Larsson war jederzeit zu erreichen und mehr als nur hilfsbereit. Insgesamt hat man in Schweden viel mehr Gruppenarbeit und Diskussionen und weniger klassische Vorlesungen. Die Lehrenden waren immer hilfsbereit und für so gut wie alle Probleme konnte man eine Lösung finden.

Die wichtigste Informationsstelle ist wohl das neu eröffnete Infocenter. Die Angestellten dort wissen so gut wie alle Antworten auf alle Fragen, und falls dies nicht der Fall sein sollte, dann wissen sie zumindest genau, wen man ansonsten noch fragen kann. Fragen wegen Zulassung für Kurse kann man auch an die Koordinatorin für Austauschstudenten schicken.

Der studentische Alltag ist etwas anders als in Deutschland. Hier haben alle Studenten gemeinsam Mittagspause von 12-13 Uhr und neben den vielen kleineren Cafeterias, die über den gesamten Campus verteilt sind, gibt es überall Mikrowellen, in denen man sein mitgebrachtes Essen erwärmen kann. Außerdem gibt es in jeder Ecke eine Sitzgruppe, so dass man in Ruhe und gemeinsam seine Pause verbringen kann.

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Campus-See und Lindelhallen (Bibliothek, Cafeteria und Hörsäle)

Es lohnt sich auf jeden Fall dem Buddyprogram beizutreten. Eine Gruppe Austauschstudenten bekommt eine kleinere Gruppe schwedischer Buddys zugeteilt, die Feste und Aktivitäten organisieren. So hat man sofort ein paar Ansprechpartner und kann schnell Kontakte mit anderen Austauschstudenten knüpfen. Außerdem ist die Orientierungswoche sehr empfehlenswert, da man dort eine Einführung in das Schwedische Universitätssystem, lokale Eigenarten, Tips für den Winter und vieles mehr bekommt.
Lebensmittel sind in Schweden etwas teurer als in Deutschland, und nach den ersten zwei Monaten fragt man sich verwundert, wohin das ganze Geld verschwunden ist. Besonders Alkohol ist unglaublich teuer, wenn man abends in Clubs oder Bars geht. Es lohnt sich in der staatlichen Kette Systembolaget einzukaufen, der einzige Ort, an dem man Alkohol über 5% erwerben kann. So ist es zwar immer noch teurer als in Deutschland, aber der Unterschied ist nicht mehr so gewaltig.

Wichtig in Umeå ist das Fahrrad. Die Busse sind zu teuer, laufen dauert zu lange: ALLE fahren Fahrrad, selbst im Winter bei Glatteis. Ein Tip ist, sich ca. ein, zwei Monate im Voraus auf facebook in „Umeå Bike Market“ oder „Umeå International ebay“ umzuschauen und eventuell ein Fahrrad zu reservieren, da sich die Preise in den Ankunftswochen mehr als verdoppeln.
Mein Fazit ist folgendes: Es ist unglaublich schwierig Kontakte mit schwedischen Studenten zu knüpfen wenn man nicht zusammen in einem Kurs ist, und man gibt für die gleichen Sachen mehr Geld aus als in Deutschland. Trotzdem habe ich die Zeit in Umeå sehr genossen und würde jederzeit für ein Masterstudium zurückkommen. Die Atmosphäre ist sehr positiv und offen, und die Stadt wimmelt geradezu von jungen Menschen.

Sophia Feigenbutz