Nordistik
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Promotionsprojekt von Helena Woik

Die Kulturpoetik des Blutes im skandinavischen Mittelalter

Abstract:

Das Dissertationsprojekt untersucht die kulturelle, symbolische und literarische Bedeutung von Blut im skandinavischen Mittelalter. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Blut in mittelalterlich-nordischen fiktionalen Überlieferungen – von der Liederedda über die Fornaldarsögur bis zu den Íslendingasögur – nicht nur als biologische Substanz erscheint, sondern als Träger von Seele, Identität, Kraft und Wissen sowie als Medium sozialer Bindungen, religiöser Praxis und moralischer Ordnung.
Methodisch folgt das Projekt einem kulturpoetischen Ansatz im Sinne des New Historicism nach Stephen Greenblatt, der literarische Quellen als aktive Akteure kultureller Bedeutungsbildung versteht. Ebenso zentral ist die Methode der Objektbiografie nach Igor Kopytoff: Jedes Kapitel nimmt seinen Ausgang von einem konkreten historischen Objekt oder Artefakt (z. B. Brakteaten, Kirchenportalen, rituellen Gegenständen oder Runeninschriften), um textliche und materielle Ebenen miteinander zu verhandeln und interdisziplinäre und interkulturelle Vergleichsperspektiven zu eröffnen.
Die Untersuchung umfasst zentrale Themenfelder wie Blut und Recht, Blut und Körper, Blutästhetik, übernatürliches Blut und Blutverzehr. Die Themenfelder werden jeweils über eine Objektbiografie eingeführt, systematisch text- und kontextanalytisch erschlossen, sowie kulturhistorisch kontextualisiert.
Ziel des Projekts ist es, eine kulturpoetische Theorie des Blutes zu entwickeln, die Blut als zirkulierendes Motivsystem zwischen Körper, Text und Gesellschaft begreifbar macht. Dabei soll diskutiert werden, wie physiologische, soziale und symbolische Dimensionen in der altnordischen Kultur miteinander verflochten sind und welches Verständnis von Blut dem mittelalterlichen Norden zugrunde liegt.

Betreuerin: Prof. Dr. Verena Höfig