Promotionsprojekt von Meta Bosch
Arbeitstitel: „Mokone yake – in seiner eigenen HandSchrift. Indexikalische Epistolarität bei Karen Blixen“
Abstract:
„Honorable lioness, …“
wurde die dänische Autorin Karen Blixen (1885-1962, engl. Isak Dinesen) in einem Brief von ihrem früheren Diener Ismael adressiert, so erzählt sie in ihrem wohl bekanntesten Buch Out of Africa / Den afrikanske Farm. Karen Blixen hat sowohl in Kenya als auch in Dänemark zahlreiche Briefe verfasst, die inzwischen in mehreren Bänden herausgegeben wurden. Sie, die sich selbst gern als Erzählerin nach der Art Scheherazades inszenierte, war eine große Briefeschreiberin noch bevor sie eine große Autorin wurde. Nicht nur in Blixens Afrikamemoiren, auch in ihren fantastischen Erzählungen (z.B. Babette´s feast / Babettes gæstebud, Tempests / Storme, The Monkey / Aben, Ehrengard) kommen verschiedene Briefe vor, die in der Forschungsliteratur noch kaum Erwähnung finden.
Mein Dissertationsprojekt untersucht die Natur und die Funktion dieser Briefe in Blixens Texten. Dabei eröffnet sich eine Perspektive auf den Brief als paradoxes Objekt, das gerade in seiner Materialität, d.h. seiner physischen Anwesenheit auf die Abwesenheit des Verfassers und des Empfängers hinweist. Dadurch sind Ferne und Fremdheit mit dem Brief ebenso verbunden wie Nähe und Intimität. In dieser Widersprüchlichkeit wird der Brief zum idealen Sinnbild der Sehnsucht. Ich möchte argumentieren, dass der Brief bei Karen Blixen tatsächlich nicht nur eine sinnbildliche, d.h. symbolische, sondern auch eine indexikalische Funktion erfüllt. Anhand des Briefes kann die Rolle des Indexes in Blixens nahezu religiösem Ästhetizismus auch auf metatextueller Ebene beispielhaft verdeutlicht werden.
In Blixens Afrikamemoiren, insbesondere in der Kurzgeschichte „Barua a Soldani“ (Der Brief des Königs) tritt der Brief besonders deutlich als physisches, mitunter sogar magisches Objekt zutage. In anderen Texten, wie z.B. der frühen Erzählung „Eneboerne“, nutzt Blixen Briefe als strukturierende oder rahmende Elemente, die häufig in nuce den Kernkonflikt der Erzählung enthalten, so z.B. die Unvereinbarkeit des künstlerischen und des bürgerlichen Lebens in „Storme“ (Skæbneanekdoter) ebenso wie in „Babettes gæstebud“ (Syv fantastiske fortællinger). Bezeichnenderweise ist Blixens letztes Buch Ehrengard zum erheblichen Teil in der Form eines Briefromans verfasst und nimmt auch den Charakter der Indexikalität wieder verstärkt auf. In anderen Texten, wie z.B. in „Et familieselskab i Helsingør“, scheint hingegen gerade die Abwesenheit von Briefen eine wichtige Rolle zu spielen. Das Dissertationsprojekt soll die fiktiven – nicht die realen – Briefe aus Karen Blixens Autorschaft systematisch erfassen, ihre narrativen Funktionen herausarbeiten und dabei die indexikalische Referenzstruktur in Blixens Texten aufzeigen.
Betreuer: Prof. Dr. Joachim Schiedermair